Neben der Anwendung des ayurvedischen Wissens zur Gesundheitsförderung im Alltag und zur Prävention von Krankheiten werden die ayurvedischen Methoden auch zur Behandlung manifester Erkrankungen eingesetzt.

Die Therapie beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und Untersuchung. Nach einem individuellen Behandlungsplan, angepasst an die "Dosha-Verteilung", wird Ihre Konstitution erarbeitet.

Ayurveda-Therapeuten benötigen für ihre Diagnose keine Geräte. Der Therapeut verwendet die Pulsdiagnose und beobachtet gleichzeitig Ihre Hautfarbe, Ihren Hautton, den Zustand Ihrer Augen und das Aussehen Ihrer Zunge (Gesichts- und Zungendiagnose). Darüber hinaus stellt der Therapeut Ihnen zahlreiche Fragen zu Ihrem Lebensstil:  how. Sie essen, wie lange Sie schlafen, wie oft Sie sich bewegen und wie Ihr geistiger Zustand ist.

So stellt der Ayurveda-Therapeut fest, welche Doshas bei Ihnen wie intensiv ausgeprägt sind, d.h. wie Ihre Konstitution ist und wo es mögliche Ungleichgewichte gibt. Der Ayurveda-Therapeut wird nun versuchen, die Doshas mit Hilfe von entsprechenden Ernährungshinweisen, Massagen, Ölanwendungen und Kräuterpräparaten und gegebenenfalls ambulanten Behandlungen auszugleichen. Dies soll Ihnen helfen, Ihre innere Harmonie wieder zu finden und Krankheiten zu behandeln, auch begleitend zu eventuell notwendigen schulmedizinischen Therapien.

Die ayurvedische Konsultation

Die ayurvedische Beratung oder Anamnese besteht neben dem Gespräch aus acht Untersuchungen:

Puls-Diagnose

Den Puls spürt man am besten morgens im leeren Zustand. Er ist noch unbeeinflusst von Nahrung und Alltagsstress. Der Puls sollte zur gleichen Stunde und unter den gleichen Bedingungen gemessen werden, Frau an der linken Hand und Mann an der rechten Hand. Der Puls sollte dreimal hintereinander gefühlt werden.

Der Vata-Puls ist abends stark, der Pitta-Puls mittags und der Kapha-Puls morgens. Der Ayurveda-Therapeut kann zusätzlich zu Ihrem Dosha auch folgende Beschwerden feststellen

      • Leber- und Nierenerkrankungen
      • Ama-Staaten (Grad der Verschlackung)
      • Fieber
      • Chronische Krankheiten
      • Verstopfung
      • Herzerkrankungen
      • Emotionale Spannungen

Diagnose Zunge

Die Beschaffenheit der Zunge gibt wertvolle Informationen über die möglicherweise dominierenden Dosha: Die Vata-Zunge ist trocken, rissig, rau mit einem dunklen Belag. Die Pitta-Zunge ist rötlich, möglicherweise mit Flecken, Spitzen, Wunden und Geschwüren. Die Kapha-Zunge ist weiss und schleimig bedeckt, feucht und leicht geschwollen.

Bei einer Ama-Störung (Verschlackung) findet sich ein weisser bis grauer Belag auf der Zunge, der mit dem Zungenschaber nicht entfernt werden kann. Ein dicker Belag auf der Zunge deutet auf ein schlecht funktionierendes Verdauungsfeuer hin. Darüber hinaus gibt der Zustand der Zunge dem erfahrenen Ayurveda-Therapeuten weitere Anhaltspunkte über den Gesundheitszustand des Patienten.

Untersuchung des Urins

Der Urin wird auf Menge, Geruch, Farbe und Säuregehalt untersucht. Die Parameter geben Auskunft über Ihr Dosha und das Ausmaß Ihres Überschusses.

Untersuchung des Stuhls

Der Stuhl gibt auch Auskunft über das Dosha und die Menge der Ama (Verschlackung). Anzeichen für Ama sind z.B. unangenehmer Geruch, unterschiedliche Farben des Kotes, schleimige Konsistenz und höheres Gewicht, d.h. der Stuhlgang sinkt im Wasser ab.

Prüfung durch Berührung

Hier wird der Zustand der Haut im Detail untersucht. Trockene, raue, rissige Haut geht zum Beispiel für ein Vata-Dosha.

Untersuchung der Augen

Bei einer Vata-Störung besteht ein Mangel an Tränenflüssigkeit, die Augen jucken und verlieren ihren Glanz. Bei einer Pitta-Störung sind die Augen rot, lichtempfindlich und brennen. Ein Überschuss an Kapha manifestiert sich in schmutzig aussehenden, sehr feuchten Augen.

Allgemeiner Eindruck

Der Ayurveda-Therapeut beobachtet genau die Haltung und Körperstruktur, den Ernährungszustand und Geruch, den psychologischen Zustand und den Gesamteindruck des Patienten und bezieht die Ergebnisse in die Untersuchungsergebnisse mit ein.

Diagnose der Sprechweise

Ihr Dosha erkennt man auch an der Art und Weise, wie Sie sprechen: Vata-Typen sprechen laut, undeutlich, hektisch und nervös. Pitta-Typen erkennt man an einer aufgeregten, energischen, warmen, manchmal einschüchternden Stimme. Kapha-Typen sprechen sanft, langsam und ausdrucksstark.

Die Diagnose und die Ursachen von Krankheiten im Ayurveda

Die Diagnose bezieht sich nicht auf ein Krankheitsbild aus der Sicht der westlichen Medizin, sondern basiert auf dem komplexen ayurvedischen Heilungssystem: Der Schwerpunkt liegt auf der Bestimmung Ihres Doshas.

Es gibt kein allgemeines Konzept von Gesundheit und Krankheit, wie wir es mit Referenzwerten für das Blutbild oder den Body Mass Index tun. Es gibt auch keine allgemeinen Richtlinien für die Heilung wie die medizinischen Richtlinien und die Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährung. Jeder Patient wird sorgfältig und auf allen Ebenen untersucht und beobachtet. Der Therapeut erhält seine Diagnose bezüglich der Dosha-Verteilung. Denn Störungen der Doshas wirken sich auf die entsprechenden Gewebe aus.

Der Ayurveda unterscheidet sieben Gewebe (Dhatus): Plasmagewebe, Muskel- und Fettgewebe, Knochenmark und Hirnsubstanz/Nervengewebe sowie Sperma und Fortpflanzungsgewebe, die dem Kapha-Dosha zugeordnet werden. Pitta wirkt hauptsächlich auf das Blut und Vata auf die Knochen. Manchmal kann ein übermäßiges Dosha auch in das Gewebe eines anderen Doshas eindringen und Störungen verursachen. Deshalb bezieht der Ayurveda-Therapeut den Zustand des Gewebes in seine Diagnose mit ein.

Aus ayurvedischer Sicht enthält der Körper eine Reihe von Kanälen: die Shrotas. Sie verbinden die Außenwelt mit der Innenwelt, um Atem, Wasser und Nahrung aufzunehmen, und die Innenwelt mit der Außenwelt, um Stoffwechselendprodukte über Schweiß, Urin und Kot abzugeben. Krankheiten werden auch nach den Störungen der Kanäle klassifiziert.

Die Kanäle können verstopft, übermäßig gefüllt, mangelhaft oder leer sein. Durch die Untersuchung der Shrotas erkennt der Ayurveda-Therapeut, welche Art von Krankheit vorliegt und in welchem Ausmaß. Eine weitere wichtige Krankheitsursache ist die Entwicklung von Giftstoffen, Ama. Ama wird von der Umwelt absorbiert oder entsteht, wenn die Nahrung nicht ausreichend verdaut, verarbeitet, vom Körper aufgenommen oder ausgeschieden wird.

Wie Sie sehen, ist die Untersuchung und Diagnose ein komplexer Prozess, der hier nur skizziert werden kann.

Vata-Krankheiten

Dies sind die typischen Symptome:

      • Verstopfung
      • Schmerz
      • Zu geringe Energiezufuhr in Händen und Füßen
      • Disloziertes Gelenk
      • Ständiger Durst
      • Zittern und Zucken
      • Raue Haut, Haare, Nägel, Zunge
      • Gewebeverlust, z.B. Osteoporose
      • Steifheit und Lähmung
      • Entzündungen
      • Unregelmässigkeit oder Ausbleiben der Periode, vorzeitige Menopause
      • Körperliche Überanstrengung führt zur Schwächung des Herzens und anderer Organe
      • Kopfschmerzen
      • Verlust des Geruchssinns
      • Ruhelosigkeit
      • Depression

Pitta-Krankheit

Dies sind die Zeichen für zu viel Feuer:

      • Rötung, rote Flecken
      • Wärmeempfindung
      • Brennende Empfindungen
      • Zündung
      • Starkes Schwitzen, Hitzewallungen
      • Schlechter Geruch
      • Magengeschwüre
      • Abszesse, z.B. im Mund und auf der Haut, schlechter Wundgeruch (Ama)
      • Vermehrter Stuhl, Urin, Speichel
      • Ekzem
      • Saurer oder bitterer Geschmack im Mund
      • Fischgeruch
      • Blutungen und Geschwüre in Nase, Mund, Zahnfleisch und Rektum
      • Übermäßiger Hunger und Durst

Kapha-Krankheiten

Dies sind die klassischen Symptome:

      • Geschwächte Stoffwechselfunktionen
      • Trägheit, Lethargie und Schläfrigkeit
      • Alles ist schwierig - körperlich, geistig, emotional
      • Ödem
      • "Dickes Blut", Risiko für Blutgerinnsel und Thrombose
      • Langsame Entwicklung der Krankheiten, chronische Krankheiten
      • Steifheit von Körper und Organen
      • Fettleibigkeit
      • Mildes chronisches Fieber
      • Reduziertes Verdauungsfeuer, träge Organfunktionen

Erstellung eines Therapieplans im Ayurveda

Der Ayurveda-Therapeut stellt die Diagnose auf der Grundlage der Krankengeschichte und der Untersuchungen. Sie und Ihre individuelle Konstitution stehen bei der Therapie im Vordergrund. Die Krankheit ist nur ein Spiegelbild und eine Folge davon. Wenn Sie Gleichgewicht und Harmonie in Ihr System bringen, wirkt sich dies automatisch auf die Krankheiten aus, die durch die Dosha-Störung entstanden sind.

Für die Therapie erhalten Sie eine individuelle Zusammenstellung von Ernährungsempfehlungen, ayurvedischen Kräutern, Ölbehandlungen und Anleitungen für Ihren Tagesablauf und Ihren allgemeinen Lebensstil.

Je nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankheit kann auch eine ayurvedische Kur empfohlen werden. Die Therapie kann auch spirituelle Übungen wie Meditation und Yoga-Übungen für den Körper oder die Atmung umfassen. Auch die Wohn- und Architekturtheorie Vastu kann angewandt werden. Ein Vastu-Berater kann Ihnen Tipps zur Optimierung der energetischen Verhältnisse geben, ähnlich wie im Feng Shui. Leider gibt es nicht viele Vastu-Berater in unserem Land und es gibt keine Liste von Beratern.

Sie können im Internet nach einem Vastu-Berater in Ihrer Nähe suchen. Wenn Sie keinen finden können, aber auf jeden Fall eine professionelle Beratung wünschen, um Ihr Zuhause zu harmonisieren und es mit der Umgebung zu verbinden, können Sie auch die chinesische Version von Feng Shui wählen.

 

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